Zwei Hunde – doppelte Freude!

20.11.2019 13:00

DER TREND GEHT ZUM ZWEITHUND.

Weil der Partner, die Ehefrau, der Sohn oder die Tochter einen eigenen Hund möchte, weil man einen Spielkameraden und Gesellschaft für den Ersthund möchte, weil man das Hobby Hund so richtig für sich entdeckt hat und sich nun vielleicht auf irgendeinen Sport spezialisieren möchte, weil der Ersthund älter wird und man einen Nachwuchshund heranziehen möchte, weil man einen kleinen Wuschel zum großen Kurzhaarhund haben will, oder einen »Quoten-Mini«, weil‘s so drollig ist.

GRÜNDE GIBT ES EINE MENGE, UND NICHT ALLE DAVON SIND GUTE GRÜNDE.

Viele Hundehalter gehen ziemlich blauäugig an das Abenteuer Zweithund heran, nach dem Motto: Was mit einem klappt, wird auch mit zweien klappen! Leider ist das aber oft nicht so. Ich rate daher dazu, die Anschaffung eines Zweithundes sorgfältig zu überdenken, mindestens so sorgfältig, wie die Anschaffung des ersten Hundes auch.
Ich halte selbst zwei Hunde (und wenn es die Lebensumstände zuließen, wären es vielleicht sogar noch mehr). Wer bin ich also, das anderen ausreden zu wollen? Sicher bin auch ich nicht der perfekte Hundehalter. Aber ich bin ein erfahrener Halter und vor allem Trainer, der jeden Tag vor Augen hat, was die Folgen einer unüberlegten Anschaffung sind.
Schon ein einzelner Hund ist individuell, nicht auf jeden passt jede Erziehungsschablone. Bei zwei ? oder mehr Hunden ? hat man es mit zwei Individuen zu tun, plus deren Zusammenspiel, plus die Eigenheiten des menschlichen Teils des Teams. Da muss jeder Versuch, eine umfassende Anleitung zu geben, zwangsläufig oberflächlich ausfallen, wenn sie auch nur halbwegs auf jeden passen soll. Mit meinem Buch »Hund plus Hund ? 6 Bausteine der Mehrhundehaltung« möchte ich Denkanstöße geben, die Aufmerksamkeit des Lesers auf die vielen scheinbar unwichtigen Details lenken, die oft übersehenen Kleinigkeiten - die sich schnell zu handfesten Problemen auswachsen können. So können Sie selbst Ihren eigenen Blick für Ursachen und Lösungsmöglichkeiten schulen. Und natürlich möchte ich Anregungen geben, was und wie man es besser machen könnte. Ich möchte immer wieder den Blick auf die Basis lenken ? denn dort haben die meisten Probleme ihren Ursprung, und dort, und nur dort, kann man sie lösen. Selbst, wenn Sie den Schrank voller Pokale stehen haben ? an den Grundlagen kann trotzdem etwas im Argen liegen. Schauen Sie genau hin!
Wer seinen Blick für Details schärft, genau hinschaut und sich selbst gegenüber ehrlich ist, kann viele Probleme vermeiden oder lösen und viele Ziele leichter erreichen. Das ist nicht immer einfach! Die Arbeit mit zwei Hunden ist, ganz offen gesagt, weitaus komplexer, fordernder und zeitintensiver, als mit nur einem Hund. Aber der Lohn ist es wert: Ein gutes Team - auch zu dritt!




Was ist besser, als einen Hund zu haben? Zwei Hunde zu haben!


Der aktive Hundehalter

Ich habe einen Hund, weil ich gerne intensiv mit ihm zusammenarbeite. Weil ich es genieße, mein Leben und meinen Alltag mit einem Hund zu teilen. Weil ich Spaß an meinem Hund habe. Und genau dasselbe gilt auch für Hund Nummer 2!
Als aktiver Halter mehrerer Hunde bin ich gleichermaßen Bezugsperson für beide Hunde - und für beide Hunde möchte ich eine wichtigere Stellung einnehmen, als der jeweils andere Hund - genauso, wie ich wichtiger bin bzw. sein sollte, als fremde Hunde, fremde Menschen oder alle möglichen anderen Ablenkungen.
Es gibt da aber auch noch die andere »Sorte« Hundebesitzer, die eher passive »Sorte«. Das sind die Hundehalter, die Hunde gerne »Hunde sein lassen« und sich am liebsten gar nicht einmischen möchten. Und die erst reagieren, wenn es nicht mehr anders geht und sich schon handfeste Probleme entwickelt haben.
Wenn solche eher passiven Hundehalter mehrere Hunde halten, spielen sie logischerweise auch nicht die wichtigste Rolle in der Gruppe - die Beziehung zwischen den Hunden ist stärker, als die zwischen dem Menschen und dem jeweiligen Hund.
Viele denken: Macht doch nichts, Hunde sind doch schließlich Rudeltiere, natürlich ist der andere Hund wichtiger. Aber möchte man das? Wenn man nichts weiter sein will, als der Versorger eines »Rudels« (der Begriff Rudel ist für eine zufällig zusammengewürfelte Hundegruppe nicht die korrekte Bezeichnung), dann vielleicht.
Wenn man auf einem riesigen Grundstück lebt, die Hunde dort den ganzen Tag herumtoben lässt, abends das Futter serviert und nicht auf die Idee kommt, mit den Hunden in den Urlaub fahren zu wollen, in ein Café zu gehen oder auch nur geordnet und ohne Chaos, Gebell und Gezerre an der Leine durch den Wald oder die Stadt zu laufen - dann vielleicht. Wenn man dabei auch noch in Kauf nimmt, dass alte, kleine oder ängstliche Hunde von anderen gemobbt werden, es zu Beißereien kommen kann oder zu Streit ums Futter - dann vielleicht. Meinem Ideal der Hundehaltung entspricht das nicht. Für mich bedeutet Hundehaltung und Hundeerziehung eine große Verantwortung. Die Verantwortung, meine Hunde so zu halten und zu führen, dass sie sich souverän und ohne Stress in der Menschenwelt bewegen und wohl fühlen können - ohne andere zu beeinträchtigen. Das bedeutet, dass ich die Verantwortung habe, meine Hunde zu kontrollieren.
Es geht dabei nicht vorrangig darum, einzelne Kommandos und Übungen möglichst zackig auszuführen. Es macht Spaß, an Übungen zu feilen und immer besser zu werden, aber es ist nicht das Wesentliche.
Es geht darum, dass ich in jeder Lebenslage die Aufmerksamkeit meiner Hunde auf mich lenken kann, Einfluss auf sie nehmen kann - nicht nur auf dem Hundeplatz, nicht nur in gewohnten Situationen, sondern immer und überall. Das ist kein einfaches Ziel, und man erreicht es nicht, wenn man nicht bereit ist, klare Regeln aufzustellen und konsequent einzuüben und umzusetzen. Auch, wenn das anstrengend ist - und mit zwei Hunden noch sehr viel mehr, als mit nur einem. Ich bin davon überzeugt, dass Hunde genauso gerne mit dem Menschen interagieren, wie wir mit ihnen.
Ich möchte meine Hunde in meinen Alltag integrieren, sie überall mit hinnehmen können und eine feste, tiefe Bindung zu ihnen aufbauen. Das geht nicht ohne Erziehung und Zusammenarbeit. Nur innerhalb klarer Grenzen können sich meine Hunde frei und ohne Stress bewegen. Es ist eine Abmachung: Sie werden nicht ständig gegängelt und bevormundet (oder »dominiert«), aber wenn es darauf ankommt, müssen sie meine Führung akzeptieren, ohne Wenn und Aber. Das geht nur, wenn ich von Anfang an, in vielen Alltagssituationen, in der häuslichen Umgebung und draußen, eine feste Grundlage aufgebaut habe. Hunde profitieren davon, wenn man als Halter eine aktive Rolle einnimmt - besonders dann, wenn man mehrere Hunde hat.
Um ein gutes Team zu werden, muss man einiges tun.

Die sechs Bausteine

Die Grundlagen meines Erziehungskonzeptes habe ich in meinen beiden ersten Büchern (Hundeerziehung mit Holger Schüler und Wir verstehen uns) bereits ausführlich geschildert. Für mich ist das Ziel und die Grundlage jeder Erziehung und jeder Beziehung die Bindung. Das Gefühl, zusammen zu gehören.

BINDUNG BEDEUTET SICHERHEIT, ACHTUNG, RESPEKT, VERTRAUEN AUF BEIDEN SEITEN.

Wenn Sie zwei Hunde haben, dürfen Sie trotzdem nie die Bindung zu jedem einzelnen Ihrer Hunde aus den Augen verlieren. Wird die Bindung zum Ersthund schwächer? Haben Sie das Gefühl, zum neuen Hund keine rechte Bindung aufbauen zu können? Lassen Sie sich genug auf beide Hunde, auf jeden einzeln, ein? Oder steht einer im Schatten des anderen, zieht einer alles auf sich? Bindung ist zu einem großen Teil Gefühlssache. So wichtig es ist, mit Plan und Konzept an die Erziehung heranzugehen, so wichtig ist es auch, nicht den Kontakt zum eigenen Bauchgefühl und den eigenen Emotionen zu verlieren.
Denn wenn Sie sich emotional blockieren, von einem Ihrer Hunde abwenden, sei es aus Frust, aus Enttäuschung, aus Überforderung oder weil der andere im Vordergrund steht, machen Sie damit die Bindung kaputt - völlig egal, ob Sie nach außen hin alles genauso machen wie vorher.
Die übrigen fünf Bausteine sind die Voraussetzung und die Basis für die Bindung:
KONSEQUENZ, das A und O jeder Erziehung und für Mehrhundehalter eine besondere Herausforderung.
AUFMERKSAMKEIT - der Hunde, aber auch Ihre Aufmerksamkeit, die jetzt mehrfach beansprucht wird.
AKTION-REAKTION - auch das ist bei mehreren Hunden schwieriger zu überblicken und umzusetzen. Wer reagiert gerade worauf? Schauen Sie genau hin.
KOMMUNIKATION - die Feinabstimmung kann ganz schön durcheinandergeraten, wenn Sie nicht nur 1 zu 1 kommunizieren müssen, sondern zwei Adressaten haben.
UND DER SPASS? Doppelte Freude - aber auch vielfacher Frust! Verlieren Sie nicht die Freude an den Hunden und werden Sie nicht zu verbissen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Als Hundehalter muss man auch eine gute Portion Humor haben. Wenn Sie das Gefühl haben, dass es irgendwo hakt, dass Sie nicht weiterkommen oder etwas schlechter wird, betrachten Sie jeden einzelnen der Bausteine in Bezug auf jeden Ihrer Hunde, und überlegen Sie, ob Sie daran etwas verbessern können. Schauen Sie nicht nur aufs Gesamtpaket, sondern auch auf beide Hunden einzeln!
Ein gutes Team - auch zu dritt.

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