Zughundetraining

08.01.2020 13:00
Zughundetraining, auch Laufhundearbeit oder -training genannt, ist die „europäisierte“ Form des ursprünglich aus Alaska stammenden Off-Snow-Trainings des Schlittenhundesports. Diese Variante ist ideal für die Freizeitbeschäftigung mit einem Familienhund.

Keine andere Hundesportart fasziniert die Menschen so sehr wie der Schlittenhundesport. Aber nur die wenigsten haben die Möglichkeit, selbst diesen Sport zu betreiben. Das Zughundetraining bietet hier eine echte Alternative, ein wenig von dieser Faszination selbst mit seinem Familienhund zu erleben, und zwar unabhängig von Rasse, Wohnbedingungen oder Klima. Hierfür genügen ein oder zwei lauffreudige Hunde, ein durchschnittlich sportlicher Mensch und die Bereitschaft, gemeinsam Neues zu ?er-fahren?.
Eine gute Beziehung und enge Bindung zwischen Mensch und Hund kann durch ein gemeinsames Laufen aufgebaut werden. Außerdem ist das Laufen unter Zug für den Hund nicht nur eine körperliche Auslastung, sondern auch eine Aufgabe und Beschäftigung, die ihn auch geistig fordert.

Welcher Hund ist geeignet?

Die traditionell gezüchteten Schlittenhunderassen sind es, die bis heute das Bild des Zughundes prägen. Grundsätzlich aber ist jeder Hund, der ziehen kann, ein Zughund.
Fast jeder mittelgroße und große Hund eignet sich für diese Art der Beschäftigung ? manche erweisen sich eben als besonders engagiert im Training, weil ihnen die Laufbereitschaft schon angezüchtet wurde, wie viele Jagdhundrassen oder Gebrauchshunde wie Schnauzer oder Schäferhunde. Weniger geeignet sind dagegen die molossoiden Rassen wie Berner Sennenhunde oder Bernhardiner. Sie können besser im gemächlichen Tempo schwere Lasten bewegen und werden daher eher für das Wagenziehen eingesetzt.
Allem voran muss aber der folgende Grundsatz stehen: Ein Hund, der in irgendeiner Weise beeinträchtigt ist, darf nicht eingespannt werden! Selbstverständlich muss man sich vergewissern, dass der Hund gesund und den Anstrengungen des Trainings physisch wie psychisch gewachsen ist. Daher sollte man vor dem Trainingsbeginn zunächst einen Tierarzt und/oder einen Tierphysiotherapeuten aufsuchen und um Rat fragen. So sind natürlich Hunde mit Herzproblemen, sehr kurzen und/oder krummen Beinen oder mit rassebedingt verkürzten Schnauzen, die dadurch Atemprobleme haben, weniger geeignet. Hunde mit Gelenkproblemen wie HD oder ED sollten zwar nicht im Leistungssport belastet werden, aber je nach Schwere der Erkrankung kann ein leichtes Training sogar für den Muskelaufbau sorgen. Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit Tierärzten und Physiotherapeuten erforderlich.

Voraussetzungen für den Menschen

Zunächst sollte man sich die Frage stellen: Bin ich bereit, mich auf dieses neue Abenteuer mit meinem Hund einzulassen? Aber natürlich spielen auch Grundfitness, Kraft und Kondition eine wichtige Rolle. Man sollte in der Lage sein, bei dem Tempo des Hundes mitzuhalten und ihn zu unterstützen. Wer das Zughundetraining mit einem Fahrzeug, wie es später beschrieben wird, ausüben möchte, sollte einen guten Gleichgewichtssinn besitzen und das Gefährt sicher lenken und bremsen können. Nicht zuletzt sollte man wetterfest und schmutztolerant sein, denn nicht selten kommt man pitschnass, durchgefroren und mit Schlamm bespritzt nach Hause, wo man zunächst natürlich seinen Hund versorgen und Geschirr, Leine und Fahrzeug säubern muss, bevor man seinen eigenen Bedürfnissen nachkommen kann. Zughundetraining ist eben nur was für Naturburschen und -mädels.

Für das Zughundetraining gibt es verschiedene Varianten, entweder zu Fuß oder mit einem Fahrzeug:

Canicross
Canicross ist die einfachste Art, mit seinem Hund das Zughundetraining zu beginnen. Ein Hund, ein Zuggeschirr mit Leine und ein Paar Laufschuhe sind alles, was man anfangs benötigt. Der Mensch trägt einen Bauchgurt, an dem der Hund angespannt wird. Beim Laufen mit Hund ist die größte Sportlichkeit seitens des Menschen gefragt, denn hier ist man ausschließlich zu Fuß unterwegs und versucht, mit dem Hund mitzuhalten. Die vom Hund geleistete Zugkraft ist dafür am geringsten, daher ist Canicross auch für kleinere oder bereits ältere Hunde geeignet.
Roller (Scooter)
Der Roller ist für viele nach dem Canicross die erste "Er-fahrung". Roller sind in der Regel schwerer als ein Bike, daher laufen sie je nach Untergrund ruhiger und vermitteln das größere Sicherheitsgefühl. Der Schwerpunkt liegt tiefer, sodass ruckartige Bewegungen des Hundes besser abgefangen werden können. Auch schnelles Auf- und Absteigen ist einfacher.
Mountainbike (Bikejöring)
In Anlehnung an das Skijöring ist die grüne Sommervariante das Bikejöring. Manche Fahrer bevorzugen die Befestigung der Leine am Bauchgurt, andere die Befestigung der Zugleine am Lenker. Ein robustes Freizeitrad genügt anfangs, daher ist diese Variante recht preisgünstig. Bikejöring ist die sportlichste und je nach Hund auch schnellste Variante des Zughundesports. Hier sollte man sich auf jeden Fall zunächst ohne Hund auf dem Rad sicher fühlen bzw. dies trainieren.
Dreirad (Trike)
Das Trike ist schwerer und damit etwas sicherer zu fahren als Bike oder Scooter. Die Fortbewegungsart ist hier in der Regel etwas "ruhiger und gesitteter" als mit den anderen Fahrzeugen. Das Trike ist in der Straßenlage stabiler und im Gelände durch tiefen Schwerpunkt auch in Kurven recht kippsicher. Es ist für extreme Offroad-Einsätze allerdings nicht geeignet, da es weniger flexibel ist. Außerdem erfordert das Fahren mehr Übung und Balance, da das Kurvenverhalten grundsätzlich anders ist. Trike fahren macht oft auch Kindern Spaß, dafür gibt es besonders kleine Fahrzeuge.

Zughundesport für Kinder

Der Umgang und die Gegenwart eines Hundes steigert die Lebensfreude bekanntermaßen bei Menschen jeden Alters. Vor allem Kinder haben das Bedürfnis nach Naturnähe und dem Kontakt zu Tieren. Beim Training verbinden sich Kind und Hund zu einem Team auf eine ganz besondere Art und Weise. Kinder erleben den Hund dabei noch viel intuitiver als Erwachsene und als Teil der Natur. Der Hund wird zum Türöffner zur eigenen inneren Wildnis.
Die Aussicht darauf, den Hund nun nicht nur "Gassi führen zu müssen", sondern als lebenden Teampartner einzusetzen, motiviert zusätzlich vor allem auch Jugendliche. So verlassen sie gern die virtuelle Welt zwischen Fernseher und sozialen Medien. Sie erleben live und "zum Anfassen", wie viel ursprüngliche Freude es macht, sich draußen gemeinsam zu bewegen.
Beim Training mit dem eigenen Hund brauchen Kinder natürlich die Unterstützung von Erwachsenen, am besten von den Eltern, die den Hund bereits ausgebildet haben. Das bedeutet, Zughundesport wird zum Familien-Event, das alle noch enger zusammenschweißt.
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14,95 € *

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