Wir gehören zusammen!

29.07.2020 13:00
Kennen Sie Jochen Bendel? Der sympathische Medienprofi, einem sehr breiten Publikum als Moderator von »Promi Big Brother« bekannt, spricht im Rahmen verschiedener beliebter Tiersendungen wie etwa »Haustier sucht Herz« oder „Letzte Chance auf vier Pfoten“ für und über unsere tierischen besten Freunde. Inzwischen ist der langjährige leidenschaftliche Hundepapa darüber hinaus ausgebildeter Hundetrainer, womit wir auch schon beim Thema wären. Hunde sind seine Passion – und seine Mission ist: Hunden eine Stimme zu geben, damit das Zusammenleben zwischen Hund und Mensch klappt und sich eine tiefe Bindung zueinander entwickeln kann.

Gut gemeint ist nicht immer gut für alle

Die Beziehung zwischen den Vierbeinern und ihren Zweibeinern verläuft nicht immer unproblematisch. Dabei könnte manches so einfach sein, nämlich dann, wenn der Zweibeiner einmal versucht, sich in seinen Vierbeiner hineinzuversetzen und erkennt, dass viele Beziehungsprobleme hausgemacht sind und gar nicht vom Hund ausgehen, sondern meist von uns Menschen.
Jochen, dessen Mann Matthias und ihr damals vierjähriger Mopsrüde Giszmo lebten in einer glücklichen Gemeinschaft. Da kam Jochen auf die Idee, etwas mehr Weiblichkeit in ihre Dreier-WG einzubringen und Giszmo eine Artgenossin dazuzugesellen. Im Alter von 10 Wochen hielt schließlich das Labradorweibchen Khaleesi, ein überaus süßer Welpe - aber auch ein temperamentvoller kleiner Drache mit Zähnchen so scharf wie Rasierklingen - Einzug in die WG. Gizmo, ein Hund, von dem im Normalfall geradezu eine buddhistischer Ruhe ausgeht, ging dem Temperamentsbündel Khaleesi jedoch von Anfang an möglichst aus dem Weg, vor allem dann, wenn ihm das Hundekind, unbedarft und respektlos - wie Kleinkinder nun mal sind - zu sehr auf die Pelle rückte. Er gab sich mürrisch und oft völlig desinteressiert an Khaleesi. Und wenn es ihm gar zu bunt wurde, bellte oder knurrte der sonst so ruhige Mops das kleine, wilde Labradormädchen an. Für dieses unhöfliche Verhalten wurde er nicht selten ausgeschimpft, denn natürlich sollte das Hundekind den bestmöglichen Start in sein neues Leben in der WG bekommen und nicht von einem Griesgram namens Gizmo traumatisiert werden. Aus Menschensicht eine vollkommen nachvollziehbare Reaktion, die jedoch aus Hundesicht nur Kopfschütteln hervorrufen kann.
In den nur drei Monaten, seit Khaleesi bei ihnen war, hatte Gizmo sich verändert. Er war "traumatisiert", hatte seine Sicherheit und sein Vertrauen verloren und sich mehr und mehr in sein Schneckenhaus zurückgezogen. Selbst bei gemeinsamen Spaziergängen sonderte er sich ab und bildete mit weitem Abstand zu Jochen, Matthias und Khaleesi stets die Nachhut.

Für Gizmo hat sich die Welt verändert

Eines Tages geschah nach Jochens Beschreibung Folgendes: "Gizmo saß wimmernd und regungslos auf dem Parkett, während ein vier Monate alter Labradorwelpe sein Piranhagebiss in sein kleines, flauschiges Kringelschwänzchen bohrte. So zerrte Khaleesi den zehn Kilo Mops, erst noch zögerlich ruckhaft, dann aber energisch und skrupellos durchs Wohnzimmer."
Schlagartig wurde Jochen und Matthias klar, dass sie die ganze Zeit etwas falsch gemacht hatten. Sie hatten sich vor allem auf Kahleesi konzentriert, und die Bedürfnisse ihres Ersthundes Gizmo nach Schutz, Ruhe, Liebe und Aufmerksamkeit sträflich vernachlässigt. Deshalb: "Reset" - das Zusammenleben und die Bindung zueinander neu ordnen und diesmal alles richtig machen. Heute sind die vier eine wunderbare Mensch-Hund-Gemeinschaft. Und wie ist das gelungen?

Tiefe Verbundenheit - wer möchte das nicht?

Wir wünschen uns eine innige Beziehung und eine tiefe Bindung zueinander - gleich ob zu einem geliebten Menschen oder Vierbeiner. Doch wie kann man dies erreichen? Für Jochen Bendel sind die entscheidenden Fakten: "Aufeinander achten, sorgsam und sensibel für die Bedürfnisse anderer sein, zuverlässig, liebevoll, konsequent und ohne Zorn sein". Das lässt auch schon ahnen, dass ein Zusammengehörigkeitsgefühl nicht von ungefähr kommt, sondern viel Arbeit bedeutet. Es ist ein langer Prozess. Bindung muss wachsen und immer wieder gepflegt werden. Die wichtigsten fünf Grundpfeiler für eine stabile Bindung zwischen Mensch und Hund sind demnach: Liebe und Vertrauen aufbauen, Schutz und Sicherheit gewähren, verständnisvoll sein, miteinander kommunizieren und viele gemeinsame Erlebnisse sammeln.
Greifen wir doch als Beispiel einmal das Thema "verständnisvoll sein" auf, das für eine gute Mensch-Hund-Beziehung immens wichtig ist. Hier zeigen sich oft deutliche Unterschiede zwischen der Sichtweise bzw. den Veranlagungen des Hundes und der des Menschen. Jochen Bendel belegt dies mit einer beeidruckenden Schilderung aus dem persönlichen Erfahrungsschatz: "Ich weiß noch genau, wie sauer und genervt ich an manchen Tagen auf Gizmo war, wenn er beim Gassigehen einfach ausbüxte. Aber eine läufige Hündin kann seine kleine Stupsnase eben vier Kilometer weit riechen. Und wenn die ersten aphrodisierenden Moleküle wie ein Supermagnet in seine Richtung wehen, startet in seinem Gehirn ein unbarmherziges, genetisch fixiertes Programm. Er muss da hin. Es geht einfach nicht anders.
Und wieviele Schimpftiraden musste Khaleesi über sich ergehen lassen, als sie klatschnass und sichtlich niedergeschlagen mit eingezogener Rute in der Badewanne stand, während ich ihr die stinkenden Wildschweinfäkalien aus dem Fell schrubbte, in denen sie sich kurz zuvor noch genüsslich gewälzt hatte. Arme Maus! Wie unverstanden muss sie sich da gefühlt haben. Dabei ist sie doch nur ihrem genetischen Code gefolgt.
Heute reagiere ich verständnisvoller und denke einfach voraus. Im "Wildschweinewald" kommt mein Labradormädchen an die Leine und Gizmos neues Accessoire ist ab und an ein Brustgeschirr mit Schleppleine, die es mir ermöglicht, ihn vor gefährlichen, weil unbeaufsichtigten Ausflügen auf Romeos Spuren zu bewahren." Wer weiß und berücksichtigt, wie ein Hund tickt, kann leicht Situationen vermeiden, die sowohl beim Vierbeiner als auch bei ihm selbst Frust auslösen und die Beziehung belasten.

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