Reiten geht immer

17.06.2020 13:00
Jetzt soll es also losgehen. Jahrelang hat man davon geträumt. Jetzt möchte man endlich dazugehören – zu der großen Familie der Reiter. Pferdeliebhaber war man schon lange, schon immer eigentlich. Es fällt ja auch wirklich schwer, sich der Faszination dieser wunderbaren, starken und doch so sensiblen Geschöpfe zu entziehen. Und nun soll es endlich vom Boden des Pferdeliebhabers eine Stufe höher auf den Rücken der Pferde gehen. Vieles hat man gehört: dass es schwierig sein soll, dass Pferde wild und unberechenbar sind, aber auch, dass es nichts Schöneres gibt auf der Welt, als mit Pferden zu tun zu haben.

Was stimmt denn jetzt?

Eigentlich alles und noch vieles mehr, wie man dann im Laufe der Jahre erfahren wird. Reitenlernen ist schwierig und langwierig. Stimmt! Es ist nichts, was in ein paar Wochen, ja nicht einmal in ein paar Jahren vollständig erlernt werden kann. Einer der alten Reitmeister sagte einmal: »Reiten lernt man nie!« Bevor man jetzt den Mut sinken lässt und vielleicht überlegt, doch Tennis oder Golf zu spielen, gehen wir lieber diesem Satz auf den Grund.
Dieser Satz müsste nämlich in der korrekten Bedeutung etwas anders lauten: »Perfekt reiten lernt man nie« oder »Beim Reiten lernt man nie aus«. Dieser auf den ersten Blick vielleicht desillusionierende Ausspruch über die Reiterei sagt gleichzeitig alles über die Faszination dieses Sports aus.
Reiten ist eben nicht wie Tennis oder Golf, wo ich zwar einen menschlichen Spielpartner habe, dabei aber mit leblosem, sprich unempfindlichem, Material umgehe. Wenn mein Tennis- oder Golfschläger einmal kaputtgehen sollte, ist das nächste Fachgeschäft nicht weit.
Auch mit meinem menschlichen Sportpartner habe ich es vergleichsweise einfach. Ich kann jederzeit mit ihm reden und ihn bitten, auf mich als Anfänger Rücksicht zu nehmen, z. B. langsamer oder präziser zu spielen. Selbstverständlich kann ich auch mit meinem Pferd sprechen und es bitten, rücksichtsvoll mit mir umzugehen. Der Erfolg wird jedoch höchstwahrscheinlich mäßig sein. Also muss ich beim Reiten einen anderen Weg finden. Denn mein Sport- und Freizeitpartner ist ein Lebewesen, dessen Sprache ich am Anfang weder spreche noch verstehe.
Versuchen Sie, in Ihrer Sprache mit dem Pferd zu kommunizieren, werden Sie allenfalls einen verständnislosen Blick zur Antwort bekommen. Danach sind Sie so schlau wie vorher. Zudem ist ein Pferd imstande, mehr oder weniger eigenständige Entscheidungen zu treffen ? was, wie Sie zugeben werden, nicht einmal jeder Mensch schafft. Und es wird hin und wieder urplötzlich rein instinktgesteuert reagieren ? was auf den Menschen, der es gewohnt ist, »alles unter Kontrolle zu haben«, ziemlich erschreckend wirkt.
Gleichzeitig ist das Pferd ein hochsensibles Lebewesen, das auf meine Stimmungen oder Ängste reagiert, häufig noch bevor sie mir selbst bewusst sind: eine Eigenschaft, die sich manch einer von seinem menschlichen Partner wünscht.
All diese Wechselwirkungen machen die Reiterei wohl zu einer der faszinierendsten Sportarten überhaupt.
Dieses Buch wird Ihnen dabei helfen, den Einstieg in diesen wunderbaren Sport zu finden. Gerade der erwachsene Anfänger im mehr oder weniger fortgeschrittenen Alter tut sich damit oft schwer. Viele Fragen und Ängste rund um das für ihn noch unbekannte Lebewesen »Pferd« stehen einem »natürlichen« Zugang, wie ihn oft Kinder finden, im Weg. Dieses Buch soll Ihnen mithilfe vieler realistischer Bilder vom Reitenlernen Mut machen, es zu versuchen. Man muss nicht perfekt sein oder werden, um Spaß und Freude am Reiten und an den Pferden zu haben.

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