Kleine Pummelchen machen Karriere

20.05.2020 13:00
In ihrer mittel- und südamerikanischen Heimat schätzen die Menschen bis heute vor allem das zarte Fleisch der Meerschweinchen. Ganz anders in Europa. Bei uns gehören die pummeligen Kerlchen mittlerweile zu den beliebtesten Heimtieren, die liebevoll gepflegt und verhätschelt werden.

Vom Wildtier zum Haustier

Die wildlebenden Urahnen unserer Hausmeerschweinchen sind zierlich gebaut und haben ein grau-braunes Fell. Ihr Lebensraum erstreckt sich von der Atlantikküste Uruguays und Argentiniens über die trockenen Graslandschaften im Inneren des Kontinents bis hin zu den felsigen und höhlenreichen Andenregionen in 5000 m Höhe. In Südamerika werden Meerschweinchen seit etwa 3000 bis 6000 Jahren als Haustiere gehalten.
Schon die Inkas züchteten gezielt Meerschweinchen wie mumifizierte Tierfunde beweisen. Sie dienten vor allem als Schlacht- und Opfertiere. Besonders braun- und weißgescheckte Meerschweinchen opferte man dem Sonnengott »Inti«, dem Hauptgott der Inkas oder gab sie Verstorbenen mit ins Grab. Durch die Domestikation (Haustierwerdung) und die Zucht hat sich sowohl das Aussehen als auch das Wesen des Hausmeerschweinchens gegenüber seiner wilden Verwandten stark verändert. So wiegt ein Hausmeerschweinchen bis zu 1,5 kg, Wildmeerschweinchen dagegen nur etwa die Hälfte. Die Wildform ist dämmerungsaktiv. Man sieht die Tiere am häufigsten bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Sie sind aggressiver, aufmerksamer, risikobereiter Gefahren gegenüber, entdeckungsfreudiger und scheuer als Hausmeerschweinchen. Die Haustiervariante ist tagaktiv, die Männchen balzen häufiger, und sie pflegen intensive soziale Kontakte im Rudel.

Wie das Meerschweinchen nach Europa kam

Um 1670 brachten holländische Kaufleute einige Meerschweinchen als »lebendes Spielzeug« für ihre Kinder mit aus dem damaligen Niederländisch Guyana. Die pflegeleichten Nager vermehrten sich in ihrer neuen Umgebung überraschend schnell. Und schon war eine vielversprechende Geschäftsidee geboren: Meerschweinchen züchten und den Nachwuchs teuer verkaufen. Nur Reiche konnten sich seinerzeit die exotischen Meerschweinchen leisten.
Von Holland aus exportiere man die Tiere schließlich auch nach Frankreich und England ? ein Fehler, wie sich rasch herausstellte, denn die außerordentliche Fruchtbarkeit der Meeris setzte dem lukrativen Handel der Holländer mit den Tieren ein jähes Ende. Meerschweinchen waren jetzt keine Seltenheit mehr ? entsprechend »billig« wurden sie jetzt auch gehandelt. Meerschweinchen sind heute überall in Europa verbreitet. In unserem Kulturkreis werden Meerschweinchen jedoch nicht gegessen, sondern liebevoll gepflegt. Das Zuchtziel liegt bei uns in erster Linie auf dem Aussehen der Tiere. So gibt es heute Meeris in den unendlichsten Farbschlägen, mit verschiedenen Zeichnungsarten, Felllängen und Haarstrukturen.

Was Meerschweinchen brauchen

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich Meerschweinchen anzuschaffen sollten Sie sich vor dem Kauf genau über die Bedürfnisse der kleinen Nager informieren. Meerschweinchen sind zum Beispiel sehr gesellig. Sie brauchen unbedingt mindestens einen Artgenossen. Einzel gehaltene Meeris setzen Kummerspeck an, verkümmern, werden krank und sterben früh. Männchen und Weibchen vertragen sich bestens. Ideal ist eine Dreigruppe, die aus einem Männchen und zwei Weibchen besteht. Lassen Sie das Männchen vom Tierarzt kastrieren, denn Meerschweinchen bekommen mehrmals im Jahr eins bis sechs Junge. Sorgen Sie für ein geräumiges Gehege. Ein Schutzhäuschen, in dem alle Platz haben, darf keinesfalls fehlen. Und für Abwechslung und Beschäftigung sorgen beispielsweise Holzbrücken, Korkröhren, Rampen und Holzspielzeug. Meerschweinchen sind Vegetarier. Ihr Gundnahrungsmittel ist gutes Heu, das rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss. Dazu kommt eine tägliche Saftfutterration aus Gräsern, Wildkräutern, Kräutern, Gemüse und Salat. Zweige - gern mit Blättern und Blüten - oder ab und zu steinhartes Stück Brot sorgen für den nötigen Zahnabrieb, denn die Zähne des Meeris wachsen ständig nach.

Vertrauen braucht Zeit

Wenn Meerschweinchen in ihr neues Zuhause einziehen, sollte man sie zunächst völlig in Ruhe lassen. Geben Sie den Tieren Zeit, ihre neue Umgebung zu erkunden, sich an die fremden Gerüche und veränderte Geräuschkulisse zu gewöhnen. Wichtig ist es, Fehler zu vermeiden wie zum Bespiel Türenschlagen, schrille Töne und hektische Bewegungen. Aber auch völlige Stille macht Meerschweinchen Angst. Hantieren Sie nicht unmittelbar über dem Meerschweinchen. Das versetzt den kleinen Nager angeborener Maßen in Panik, denn schließlich könnte es sich um einen Raubvogel handeln, der das Meerschweinchen zu packen versucht. Halten Sie Hunde und andere Heimtiere in der Eingwöhnungsphase fern von dem Meeris. Solange die putzigen Kerlchen noch scheu sind, sollte man sie nicht anfassen oder hochnehmen und herumtragen. Und auch das Schutzhäuschen nicht anheben, wenn ein Meeri sich dort versteckt hat. Locken Sie Ihre Meerschweinchen mit einer saftigen Möhre, die Sie mit der Hand von außen durchs Gehegegitter reichen. Kommen die kleinen Nager neugierig herbei und knabbern daran, ist das erste Eis gebrochen.



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