Das Ausbrüten von Reptilieneiern

15.01.2020 13:00
Die meisten der heute lebenden Reptilienarten legen Eier, um sich fortzupflanzen: alle Krokodile, Schildkröten und Brückenechsen und die Mehrzahl der Echsen und Schlangen sind eierlegend. Die erfolgreiche Nachzucht seiner Lieblinge sollte das Ziel eines jeden Reptilienfreundes sein. Das erfolgreiche Ausbrüten der Eier ist dabei eine wichtige und oftmals kritische Phase auf dem Weg zur Vermehrung der Reptilien im Terrarium.

Je nach Reptilienart können die Ansprüche der Eier an die Umweltbedingungen sehr unterschiedlich sein. Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass die über 6000 Reptilienarten die unterschiedlichsten Lebensräume mit oftmals sehr extremen klimatischen Bedingungen erobert haben, und dies oftmals nur durch spezielle Fortpflanzungsstrategien möglich war. Gute Kenntnisse der Lebensräume, Lebensweise und Fortpflanzung in der Natur sind Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Pflege und Zucht und insbesondere auch für das Ausbrüten der Eier - auch Inkubation genannt - der jeweiligen Tierart. Damit die erfolgreiche Zucht von Reptilien nicht am Ausbrüten der Eier scheitert, sind fundierte Kenntnisse zu den Bedürfnissen der verschiedenen Arten, aber auch Erfahrungen im praktischen Umgang mit den Eiern notwendig.
Im Buch "Inkubation von Reptilieneiern" werden Grundkenntnisse des Aufbaus und der Bedürfnisse von Reptilieneiern und -embryonen vermittelt, um aufbauend auf dieser Basis die praktische Durchführung der Inkubation von Reptilieneiern zu besprechen. Im speziellen Teil werden die Besonderheiten hervorgehoben, die beim Ausbrüten von Eiern der einzelnen Tiergruppen zu beachten sind. Im Anhang sind tabellarisch grundlegende Daten zur Inkubation von über 1750 Arten und Unterarten zusammengestellt. Diese Auflistung kann gleichzeitig als Bibliographie der Zucht eierlegender Reptilien genutzt werden und erleichtert den Zugang zur Originalliteratur über Fortpflanzungsbiologie und Zucht der betreffenden Arten.
Nach der Ablage werden die Eier in einen Brutschrank überführt, also einen für die Erbrütung von Eiern konstruierten Apparat, in dem Temperatur und Luftfeuchtigkeit so eingestellt werden können, dass eine Entwicklung der Eier möglich ist. Im Handel ist eine Palette geeigneter Brutschränke verfügbar. Die Eier kommen in ein dafür vorgesehenes Gefäß, den Inkubationsbehälter. Der Behälter sollte aus einem durchsichtigen Material sein, damit die Eier ohne Störung von außen kontrolliert werden können, und im Deckel oder oberen Randbereich der Seitenwände Löcher zur Belüftung aufweisen. Als Brutsubstrat hat sich vor allem Vermiculite bewährt, das leicht feucht (nicht nass!) verwendet wird. Die Eier werden nahezu vollständig in das Substrat eingegraben. Die Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen werden je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Art eingestellt.
Der Erfolg beim Ausbrüten von Eiern hängt nicht nur von der fachgerechten Durchführung der Inkubation selbst, sondern insbesondere auch von der Qualität der Eier ab. Wenn aufgrund von Mangelerscheinungen des Muttertieres Nährstoffe, Vitamine oder Mineralstoffe im Ei fehlen, oder wenn die Eier aufgrund ungeeigneter Eiablageplätze ausgekühlt, überhitzt, zu trocken oder zu nass und dadurch geschädigt wurden, kann selbst eine optimale Inkubationstechnik keinen Schlupferfolg bringen. Obwohl sich die Inkubation auf den Zeitraum von der Eiablage bis zum Schlupf der Jungtiere beschränkt, werden in diesem Buch auch solche Themen behandelt, die zwar vor diesem Zeitraum liegen, aber unmittelbaren Einfluss auf die Vorgänge während der Inkubation haben.
Das Ausbrüten der abgelegten Eier stellt einen kritischen Abschnitt bei der Zucht von eierlegenden Reptilien dar, sollte aber Dank des nunmehr verfügbaren Wissens und wichtiger Erfahrungswerte im Umgang mit den Eiern keine große Hürde mehr darstellen.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.