Bye-Bye, Boxenruheblues

24.04.2019 14:14
24 Stunden Boxenhaft sind der Alptraum eines jeden Pferdes. Nach Verletzungen oder Operationen ist aber manchmal genau das nötig, um wieder auf die Beine zu kommen. Wie man seinem Pferd diese schwere Zeit etwas leichter machen kann, hat uns Buchautorin Agnes Trosse verraten.

Kein Platz für Ehrgeiz

Oberste Prämisse für das Entertainmentprogramm in der Box: Sämtliche Aktivitäten sind ausschließlich dazu da, dem Pferd die Zeit angenehmer zu machen, es zu entspannen, ihm die Langeweile zu vertreiben und sein Wohlbefinden zu erhöhen. Das heißt gleichzeitig, dass jeglicher Ehrgeiz fehl am Platz ist. Pferde sind in der Box leicht unter Druck zu setzen. Durch den beengten Raum fehlt ihnen die Fluchtmöglichkeit, was in unangenehmen Situationen leicht zu hohem Stressaufkommen führt. Pferdebesitzer sollten ihre Sensoren deshalb maximal auf Empfang stellen, um den leisesten Anflug von Unbehagen bereits im Ansatz zu erkennen.

Zeit fürs Pflegeprogramm

"Die einfachste Weise, sich mit seinem Pferd in der Box zu beschäftigen und ihm dabei einen gewissen Wellnessfaktor zu bieten, ist die tägliche Pflege. Bürsten, kämmen, kraulen, streicheln, massieren, Hufe auskratzen und eventuell auch waschen: Das alles gehört zu täglichen Routine und die sollte so weit wie möglich beibehalten werden. Insbesondere dann, wenn das Pferd in der Klinik stehen muss. In diesem Fall schaffen vertraute Elemente ein Stückchen Zuhause und Wohlbefinden im Klinikalltag", sagt Agnes Trosse.

Arbeit für die grauen Zellen

Um das Pferd während der Boxenruhe mental besser auszulasten, bietet sich Targettraining an. "Dabei lernt das Pferd, dass es etwas Bestimmtes berühren soll. Zu Beginn meist mit dem Maul. Später kann es lernen, dass es einem sogenannten Target mit der Hüfte folgen soll. So lässt sich dann ein targetgesteuertes "Kruppeherein" oder "Kruppeheraus" erlernen", erklärt Trosse, die ihrer Rapunzel mit dieser Form des Trainings den Klinikaufenthalt interessanter gestaltete. Als Target, der englische Begriff für "Zielobjekt", wird im professionellen Tiertraining häufig ein Softball an einem Stab verwendet. Eine herkömmliche Fliegenklatsche oder die Gerte tun´s aber auch. Die einfachste Form für Targeteinsteiger ist jedoch die Hand: Berührt das Pferd die flach ausgestreckte Hand, folgt ein Lob.

Kniffliges für schlaue Köpfe

Ein anderes Spiel, das hervorragend zum Zeitvertreib geeignet ist und obendrein auch noch die grauen Zellen des Pferdes anregt, ist das Hütchenspiel. Als Hütchen eignen sich alle standfesten Behälter, unter denen sich Leckerchen verstecken lassen und die keine Verletzungsgefahr darstellen. Kennt das Pferd die Übung noch nicht, wird die Belohnung vor seinen Augen unter einem der Hütchen versteckt. "Hat das Pferd einmal verstanden, dass es das Ding umwerfen muss, um an die Belohnung zu kommen, kann man den Schwierigkeitsgrad erhöhen und mehrere Hütchen aufstellen", rät Trosse.

Spiel mit der Balance

Körperlich lässt sich ein Pferd während der Zeit der Boxenruhe freilich nicht auslasten. Möglichkeiten, die Muskulatur zu kräftigen und Bänder und Sehnen flexibel zu halten, gibt es trotzdem. Eine besonders unkomplizierte Balance- und Geschicklichkeitsübung für die Box ist das Stangentraining. "Um Verletzungen vorzubeugen benutzt man hierfür einfach eine Schwimmnudel. Sie kann problemlos auch ins Stroh gelegt werden", empfiehlt Agnes Trosse. Als erste Übung kann das Pferd lernen, aus dem ruhigen Stand mit einem Vorderbein über die "Stange" aus Polyethylenschaum zu treten, dort zu verweilen und wieder zurück hinter die Schwimmnudel zu treten.

Für die Zeit danach

Hat das Pferd die Boxenruhe gut überstanden, beginnt der vermutlich anspruchsvollste Teil der Genesung: der schrittweise Weg zurück zur Normalität. In dieser Zeit heißt es vorsichtig zu sein und nichts zu übertreiben, um einen Rückfall oder gar eine neue Verletzung zu vermeiden.

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