Angst beim Tierarzt? Kleiner Trick mit großer Wirkung: Der Kinntouch

13.05.2020 13:00
Blutabnehmen, Herz abhören, Augen anschauen und Zähne kontrollieren lassen - das sind alles Dinge, die Ihr Hund bei einem Tierarztbesuch mitmachen sollte bzw. muss. Wenn Ihr Hund jedoch große Angst vor dem Tierarzt hat, sind die nötigen Besuche dort ein reinster Alptraum - für Hund, Halter und für den Tierarzt. Doch die freiwillige Kooperation des Hundes beim Tierarzt und bei Untersuchungen ist kein Hexenwerk. Sie kann mit jedem Hund trainiert werden und schafft Erleichterung. Ein wertvolles Hilfsmittel beim Medical Training oder Tierarzttraining ist der sogenannte Kinntouch.

Was ist der Kinntouch?

Beim Kinntouch legt Ihr Hund sein Kinn auf Ihre flache Hand oder alternativ auf Ihr Bein und verweilt in dieser Position.
Dadurch ist es Ihnen entspannt möglich, seine Augen und Ohren zu untersuchen und auch die Zähne zu kontrollieren. Auch das Blutabnehmen oder Abhören des Herzens gelingt so viel leichter.

Warum ist das sinnvoll?

Sind Sie mit Ihrem Hund in der Praxis, ist seine volle Aufmerksamkeit auf den Tierarzt und das, was kommt gerichtet. Er kann sich regelrecht darauf fokussieren und zuweilen auch hineinsteigern.

Mit dem Kinntouch sieht das nun etwas anders aus. Der Kinntouch ist ein Target, ein Ziel, das Ihr Hund ansteuert und durch das er seine Aufmerksamkeit zu teilen beginnt. Ihr Hund bekommt eine genaue Ortsangabe, an der er sich orientieren und ausrichten kann, er wird nicht im luftleeren Raum alleine gelassen. Hat Ihr Hund eine Orientierungsmöglichkeit, wird er entspannter auf die unterschiedlichsten Situationen reagieren können.

Er kann und wird sich nicht mehr nur auf die Prozedur beim Tierarzt konzentrieren, sondern bekommt eine Verhaltensvariante angeboten, wie er mit der Situation noch umgehen kann.

Zudem wird der Kinntouch rein über positive Verstärkung aufgebaut und löst somit bei Ihrem Hund ein gutes Gefühl aus. Ein Gefühl der Freude, der Ausgeglichenheit, der Sicherheit. Er hat Kontrolle über sich. Dieses Gefühl eingesetzt in Situationen, die Ihren Hund ängstigen, lässt uns wunderbar gegen die Ängste arbeiten.

Wozu ist der Kinntouch gut?

Den Kinntouch können Sie beispielsweise bei sich zuhause für normale Körperpflege bei Ihrem Hund nutzen. Beim Kontrollieren der Augen und der Ohren oder der Zähne ist er hilfreich und ermöglich Ihnen eine ruhiges Anschauen der jeweiligen Körperteile, da Ihr Hund ruhig in einer bestimmten Position verweilt.

Aber auch direkt beim Tierarzt bietet er eine enorme Hilfe an. Beim Anhören der Herztöne kann Ihr Hund so ruhig stehen und warten, ebenso beim Fiebermessen oder Blutabnehmen.

Wie wird er aufgebaut?

Damit Sie den Kinntouch bei Ihrem Hund aufbauen können, nehmen Sie sich am besten einige schmackhafte Leckerlis zur Hand. Machen Sie es sich auf dem Boden bei Ihrem Hund oder auf einem Stuhl bequem.
Bringen Sie nun Ihre flache Hand in Richtung Kinn Ihres Hundes. Sobald seine Nase nur in Richtung Ihrer Hand geht, loben Sie ihn und geben Sie ihm ein Leckerli.
Geben Sie das Leckerli immer so, dass Ihr Hund mit seinem Kinn über Ihre flache Hand darüber muss. So bringen Sie ihm bei, dass es sich lohnt, die Hand zu berühren und dass die Übung irgendetwas mit dieser flachen Hand zu tun hat.
Wiederholen Sie diese Übung so oft, bis Ihr Hund Ansätze zeigt, von sich aus mit seinem Kinn Richtung Ihrer flachen Hand zu gehen. Hier loben Sie ihn wieder und geben Sie in der oben beschriebenen Position ein Leckerli.

Der nächste Schritt wäre nun, dass Ihr Hund die Belohnung nur dann bekommt, wenn sein Kinn wirklich auf Ihrer flachen Hand aufliegt.

Als kleiner Tipp:
Damit Sie ganz genau den Moment erwischen, in dem Ihr Hund sein Kinn auf die flache Hand legt, ist es hilfreich, ein Markersignal zu verwenden. Ein Markersignal kann ein Wort oder ein Geräusch sein, das Ihrem Hund sagt: ?Das, was du gerade gemacht hast, das war genau richtig! Hierfür bekommst du nun deine Belohnung.? Der Vorteil ist, dass Sie ohne Futter in der Hand trainieren können und ein sehr gutes Timing haben werden.

Ich bin dabei!

Targets sind nicht einfach nur Tricks, die Ihnen im Umgang und im Training mit Ihrem Hund helfen können. Sie sind so viel mehr - sie sind direkte Kommunikation mit Ihrem Hund. Jedes Lebewesen ängstigt sich vor der Situation über den eigenen Körper die Kontrolle zu verlieren, so auch Ihr Hund. Und genau das passiert beim Tierarzt und bei den unterschiedlichsten Behandlungen.

Das Training mit Targets, in unserem Fall hier mit dem Kinntouch, geht deshalb um einiges weiter. Das Ausführen des Kinntouchs sagt Ihnen, dass Ihr Hund bereit ist, mitzumachen und die Behandlung zu tolerieren. Er ist bereit, zu kooperieren. Nimmt Ihr Hund während einer Behandlung sein Kinn von Ihrer Hand, ist das von Ihnen als Zeichen zu interpretieren, dass Ihr Hund eine Pause braucht. Und das ist vollkommen in Ordnung. Geben Sie ihm diese kurze Pause und fordern Sie ihn dann erneut zur Kooperation auf.

Durch diese Art der Zusammenarbeit wird Ihr Hund Ihnen viel mehr Vertrauen schenken, auch in beängstigenden Situationen. Er weiß, dass er sich auf Sie verlassen kann!

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.